Ein Ort der Sicherheit – mitten in einer Realität, die oft grausam ist
Als wir nach Vietnam kamen und uns intensiver mit der Situation von Hunden vor Ort beschäftigt haben, wurde uns schnell klar: Hinter den bunten Straßen, dem lebendigen Alltag und der wachsenden Moderne verbirgt sich eine Realität, die viele nicht sehen wollen. Eine Realität, in der Hunde nicht immer als Familienmitglieder gelten – sondern oft als Ware.
Genau in diesem Umfeld haben wir Elizabeth kennengelernt. Und genau hier steht ihr Shelter in Ho-Chi-Minh-Stadt.
Vor dem offiziellen Shelter hatte Elizabeth 30 Hunde bei sich zuhause. Seit 2019 gibt es die Organisation und 2022 eröffnete sie das offizielle Shelter. Elizabeth lebt seit 18 Jahren in Vietnam und ging mit 50 in Rente, um sich voll und ganz dieser Arbeit zu widmen. Finanziert wird alles ausschließlich durch Spenden. Die monatlichen Fixkosten liegen bei rund 3.000 Dollar. Im Vollzeitbetrieb arbeiten nur sie und Mr. Hung.

Ein Shelter der Hoffung
Knapp 40 Hunde leben aktuell im Shelter von Elizabeth. Ein weiterer Hund muss in der Tierklinik bleiben, weil im Shelter schlicht kein Platz mehr ist. Etwa zehn der Hunde gelten als schwer oder gar nicht adoptierbar und werden dauerhaft dort bleiben. Jeder dieser Hunde blockiert Kapazität – und macht es gleichzeitig unmöglich, einfach „nein“ zu sagen, wenn der nächste Notfall kommt.
Das Shelter ist eine Halle mit Gemeinschaftsbereich, einem großen Schlafraum und einem kleinen betonierten Außenbereich. Keine Käfige, keine Zwinger. Die meisten Hunde schlafen gemeinsam in einem Raum, jeder auf seinem eigenen Bett. Zusätzlich gibt es einzelne Hundeboxen, die freiwillig als Rückzugsort genutzt werden können – wenn ein Hund Ruhe braucht.
Elizabeth legt großen Wert darauf, dass die Hunde miteinander leben können, statt voneinander getrennt zu sein. Diese Struktur braucht viel Erfahrung, Geduld und klare Abläufe – funktioniert aber erstaunlich gut.

Alltag zwischen Struktur und Improvisation
Der Tag beginnt früh. Sehr früh. Um 4 Uhr morgens startet Elizabeth ihren Tag. Zuerst dürfen alle Hunde in den Außenbereich, danach folgt die erste große Reinigung. Böden schrubben, desinfizieren, vorbereiten – bis gegen 6:30 Uhr.
Ab 7 Uhr werden Geschirre angelegt, um 7:30 Uhr kommen die Volunteers. Dann gehen die Hunde in kleinen Gruppen spazieren, ein bis zwei Hunde pro Person. Alles ist durchgetaktet, damit die Hunde gestaffelt zurückkommen und es beim Füttern ruhig bleibt.

Füttern ist ein sensibles Thema. Viele Hunde haben auf der Straße tagelang gehungert und schlingen extrem. Es gibt starken Futterneid. Deshalb werden manche Hunde beim Fressen an Clip-Chains gesichert damit diese sich beim fressen nicht stören können. Andere essen nur mit Hunden, die sie gut kennen. Welpen werden separat gefüttert, damit kein Stress entsteht. Ziel ist immer: Jeder Hund soll in seinem eigenen Tempo fressen können – ohne Angst.
Neue Hunde werden zuerst in der Tierklinik durchgecheckt. Die Integration ins Rudel passiert behutsam, meist über eine Hundebox. Morgens vorgestellt, tagsüber beschnuppert, abends – wenn Ruhe einkehrt – öffnen sich die Türen. Meist fügen sich die Hunde erstaunlich schnell ein.
Zahlen, die Hoffnung machen – und Grenzen zeigen
Allein im Jahr 2025 wurden 51 Hunde gerettet. 47 davon konnten adoptiert werden – eine Vermittlungsquote von über 90 %. Möglich ist das auch, weil Elizabeth sehr strenge Anforderungen an Adoptiveltern stellt. Spontane Entscheidungen gibt es nicht. Rückgaben sind dadurch selten.
Gleichzeitig kann das Shelter aktuell nur etwa 5 bis 15 neue Hunde pro Monat aufnehmen. Mehr lässt die Kapazität nicht zu. Und genau hier beginnt das Dilemma.

Die Schattenseite Vietnams
Vietnam befindet sich im Wandel. Immer mehr Menschen halten Hunde als Haustiere. Und trotzdem werden jährlich rund fünf Millionen Hunde für den Fleischkonsum getötet. Vietnam ist – trotz deutlich geringerer Bevölkerungszahl – nach China der zweitgrößte Konsument von Hundefleisch weltweit.
Der Handel und Konsum sind Legal, doch die Methoden an die Hunde zu gelangen sind es meistens nicht. Die Hundemafia stiehlt Tiere aus Haushalten oder fängt sie auf der Straße. 87 % der Vietnamesen kennen Haustierdiebstahl aus eigener oder naher Erfahrung. Die Hunde werden dann oft über Strecken von bis zu 1.200 Kilometern in den Norden transportiert, da dort der Konsum beliebter ist. Diese Reise passiert meist ohne Futter, ohne Wasser. Viele sterben schon unterwegs.
Dazu kommt ein massives Gesundheitsproblem: Jährlich benötigen zwischen 400.000 und 675.000 Menschen Tollwut-Notimpfungen. Die Kosten liegen bei über 11 Mio. € pro Jahr. Die Hund-Impfquote beträgt nur etwa 40 %, obwohl mindestens 70 % für eine Herdenimmunität nötig wären. Jährlich sterben einige Menschen daran und fast die Hälfte der Tollwut-Todesfälle betrifft Kinder.
Viele dieser Probleme wären vermeidbar.

Blick nach vorn: Ein zweites Shelter
Genau deshalb gibt es den Plan für ein zweites Shelter. Eines, das größer ist. Das mehr Kapazität hat. Das gezielt auch größere Rettungsaktionen stemmen kann – zum Beispiel, wenn 20 Hunde auf einmal aus einem Hunderestaurant gerettet werden.
Geplant ist ein Grundstück mit rund 4.000 Quadratmetern, ein kleiner Veterinärraum für Impfungen, Sterilisationen und Behandlungen vor Ort sowie ein Konzept, das langfristig unabhängiger von reinen Spenden macht. Über Glamping-Möglichkeiten sollen Besucher vor Ort übernachten, helfen, Zeit mit den Hunden verbringen und das Projekt nachhaltig mitfinanzieren.
Die Kosten für dieses Projekt liegen bei rund 75.000 € und noch 50.000 € werden benötigt. Es soll mehr Personal beschäftigen können – und langfristig mehr Hunde retten, als es aktuell möglich ist.

Warum wir helfen – und warum wir darüber sprechen
Wir haben uns entschieden, dieses Shelter zu unterstützen, weil es ehrlich ist. Weil hier keine schnellen Lösungen versprochen werden. Weil jeder Hund zählt. Und weil Menschen wie Elizabeth dort weitermachen, wo staatliche Hilfe fehlt.
Wir haben bereits in vielen Sheltern auf der ganzen Welt geholfen und können sagen, dass Elizabeth ihr Leben für diese Hunde opfert. Solche Menschen müssen unterstützt werden. Deshalb bitten wir euch, uns dabei zu helfen, Elizabeths Traum von einem zweiten Shelter Wirklichkeit werden zu lassen.
Der folgende Link führt zu unserem PayPal-Spendenkonto. Die Spenden gehen zu 100 % und ausschließlich an Elizabeth und ihr Projekt für das zweite Shelter in Vietnam.
Jeder Beitrag hilft dabei, dieses Shelter Realität werden zu lassen.

